Prof. Richard Wilkinson war bis zu seiner Emeritierung 2008 Professor für Sozialepidemiologie an der University of Nottingham und ist derzeit Honorarprofessor für Epidemiologie und Public Health am University College London sowie Gastprofessor an der University of York. In den letzten Jahren hielt er viele hundert Vorträge zu den Auswirkungen sozialer Ungleichheit auf Gesellschaft und Gesundheit u.a. bei der WHO, der EU, der OECD und der Weltbank.

Sind gerechtere Gesellschaften gesünder?

Den Eröffnungsvortrag wird in diesem Jahr der britische Sozialepidemiologe und Gesundheitswissenschaftler Prof. Richard G. Wilkinson halten, der u.a. mit Kate Pickett das Buch „Gleichheit: Warum gerechtere Gesellschaften für alle besser sind“ veröffentlicht hat. In seinem Vortrag wird Richard Wilkinson anhand von empirischen Untersuchungen darstellen, dass eine gerechtere Verteilung der Einkommen auch für die Gesundheit und soziale Probleme günstige Folgen haben würde und damit für den Rest des Kongresses die Frage aufwerfen, warum wir unser gesellschaftliches Zusammenleben dennoch anderes organisieren.

Verändert die Ökonomisierung das ärztliche Denken?

Inwieweit verändert die Ökonomisierung und Kommerzialisierung die Art und Weise des Denkens und Handelns im Gesundheitssystem? Wird damit die ärztlich/therapeutische Grundhaltung nachhaltig geändert? Nach einem Impulsvortrag des bekannten Medizinethikers Prof. Dr. G. Maio wird in einer Podiumsdiskussion mit dem Gesundheitsökonomen Prof. Dr. N. Schmacke und dem Dekan der Universität Heidelberg Prof. Dr. W. Herzog über die Vor- und Nachteile einer arbeitsteiligen und ökonomisierten Medizin gesprochen und die Bedeutung dieser Veränderungen für Patienten und Behandler reflektiert.

Prof. Dr. Giovanni Maio ist Lehrstuhlinhaber für Medizinethik an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, Arzt und Philosoph, Facharzt für Innere Medizin. Mitglied verschiedener überregionaler Ethikkommissionen und Ethikbeiräte. Autor u.a. der Bücher „Geschäftsmodell Gesundheit: Wie der Markt die Heilkunst abschafft“ und weitere

Prof. Dr. Norbert Schmacke ist Professor am Institut für Public Health der Universität Bremen, stellvertretendes unparteiisches Mitglied des Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA), ehemaliger Leiter der Stabsstelle Grundsatzfragen des AOK-Bundesverbandes und Autor zahlreicher Bücher, u.a. „Wieviel Medizin verträgt der Mensch?“.

Prof. Dr. Wolfgang Herzog

ist Direktor der Klinik für Allgemeine Innere Medizin und Psychosomatik und Dekan der medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg.

Facharzt für Innere und Psychosomatische Medizin.

Zahlreiche Publikationen insbesondere zu klinischen Studien.
 

Prof. Dr. Dieter Thomä ist Lehrstuhlinhaber für Philosophie an der Universität St. Gallen. Er war Fellow am Getty Research Institute in Los Angeles, am Max Weber Kolleg in Erfurt und am Wissenschaftskolleg zu Berlin sowie Gastprofessor an der University of California in Davis und an der Brown University in Providence. Seine Arbeitsschwerpunkte sind Sozialphilosophie, Ethik, Kulturphilosophie, politische Philosophie und Phänomenologie in denen er immer wieder die sokratische Frage „wie zu leben sei“ bearbeitet. Er ist Autor zahlreicher Bücher.

Wie passt der Einzelne in die Gesellschaft?

Zunehmende Beschleunigung und Verdichtung der Arbeits- und Lebensabläufe erhöhen den Druck auf das Individuum. Welche Herausforderungen entstehen daraus für den Einzelnen, um sich an die verändernden Bedingungen anzupassen, welche Chancen und Risiken erwachsen dabei aus einer Abweichung von der Norm? In zwei Vorträgen prominenter Kollegen aus der Schweiz bzw. mit Schweizer Wurzeln werden diese Fragen aus unterschiedlichen Blickwinkeln, einer medizinsoziologischen und einer philosophischen, diskutiert.

Prof. Dr. Johannes Siegrist Der prominente Schweizer Medizinsoziologe Prof. Dr. Johannes Siegrist spricht zur Bedeutung sozialer Faktoren für die Gesundheit. Zu diesem Thema hat er als Leiter nationaler und internationaler Forschungsprojekte und als Berater bei der WHO wichtige Beiträge geleistet.
Bekannt ist auch als Begründer des ‚Modells beruflicher Gratifikationskrisen‘, das zur Analyse stressbedingter Erkrankungsrisiken in der modernen Arbeitswelt beiträgt.

Prof. Dr. Peter Henningsen

ist Lehrstuhlinhaber für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie und Dekan der Medizinischen Fakultät der TU München.

Er ist Vorstandsmitglied des Deutschen Kollegiums für Psychosomatische Medizin und der Viktor-von-Weizsäcker-Gesellschaft.

Prof. Dr. Henningsens forscht u.a. zu Somatoformen Störungen und beschäftigt sich darüber hinaus immer wieder mit der Zukunft des Faches Psychosomatik.

Psychosomatik in der Medizin – Konsequenz oder Perspektive?

Mit steigender Lebenserwartung in den westlichen Industrienationen nimmt auch der Anteil chronischer Erkrankungen stetig zu. Damit spielt die Heilung von Erkrankungen in der Breitenversorgung eine zunehmend geringere Rolle, während die Begleitung der Erkrankten an Bedeutung gewinnt. Kann die Medizin mit ihren bisherigen Strukturen den veränderten Anforderungen entsprechen oder ist die enorme Nachfrage nach Psychotherapie als Epiphänomen einer Überforderung der somatischen Fächer zu verstehen? Liegt hierin Hoffnung für eine Wendung zurück zu einer beziehungsorientierten Medizin? Die Veranstaltung wird auf die Bedeutung des Krankheitsmodells und der Beziehung für das Handeln in der Medizin eingehen.

Prof. Dr. Thomas Fuchs ist Karl Jaspers-Professor für Philosophische Grundlagen der Psychiatrie und Psychotherapie und Direktor des Interdisziplinären Forums für Biomedizin und Kulturwissenschaften an der Universität Heidelberg. Er beschäftigt sich seit vielen Jahren mit dem Wechselspiel zwischen erkrankungsbezogener Forschung und personenorientierter Behandlung. Titel seiner Arbeiten hierzu sind u.a. „Person und personales Selbstverständnis“ oder „Das Gehirn – ein Beziehungsorgan“.

Dr. Dr. h.c. Siri Hustvedt ist Schriftstellerin und hat viele Romane veröffentlicht, darunter internationale Bestseller, die von der Beziehung des Einzelnen zu seiner Umwelt handeln. Seit einigen Jahren beschäftigt sie sich u.a. in „The Shaking Woman or A History of My Nerves (2009)“ zunehmend mit neurowissenschaftlichen Themen. 2011 hielt sie die Sigmund-Freud-Vorlesung in Wien und lehrt derzeit am Fachbereich Psychiatrie des Weil Cornell Medical College in New York. Siri Hustvedt vereint ein großes Wissen im geistes- und kulturwissenschaflichen Bereich mit den Kenntnissen der empirischen Wissenschaften.

Gedanken über Gleichheit, persönliche Wirksamkeit, Emotionen und den Sozialen Körper.

Die US-amerikanische Schriftstellerin Siri Hustvedt hat etliche Romane veröffentlicht, darunter internationale Bestseller, die von der Beziehung des Einzelnen zu seiner Umwelt handeln. Seit einigen Jahren beschäftigt sich sie zudem immer mehr mit neurowissenschaftlichen Themen und lehrt derzeit am Fachbereich Psychiatrie des Weil Cornell Medical College in New York. Sie wurde unter anderem mit dem Gabarron International Award for Thought and Humanities geehrt.

Siri Hustveld vereint einen kulturwissenschaflichen Ansatz mit den Kenntnissen der empirischen Wissenschaften. Den Eröffnungsvortrag spiegelnd wird sie u.a. der Frage nachgehen, warum sozial ungerechtere Gesellschaften so attraktiv sind, dass sie sich trotz aller rationaler Erwägung und Evidenz durchsetzen.