Prof. Nan Rothrock
ist Associate Professor an der Northwestern University in Chicago am Department for Medical Social Sciences der Feinberg Medical School und forscht im Rahmen der
PROMIS-Initiative zur Entwicklung von Patient-Reported Outcomes.
Sie ist zudem klinische Psychologin und Psychotherapeutin mit einem Schwerpunkt in Psychoonkologie.

Objektives Ermessen von subjektivem Leid

Eine Grundlage empirischer Wissenschaften in der Psychosomatik ist die objektive Erfassung subjektiver, psychischer Parameter. Mit Nan Rothrock (Northwestern University, Chicago) und Chris Gibbons (Harvard Medical School, Boston) kommen zwei prominente Forscher nach Berlin, die derzeit viel beachtete und neue Techniken zur Erfassung patienten-berichteter Gesundheitsmerkmale darstellen werden. Prof. Dr. Rothrock gibt eine Einführung in das Patient-Reported Outcomes Measurement Information System (PROMIS), das derzeit umfassendste System zur Messung von patienten-berichteten Gesundheitsmerkmalen, entwickelt mit großzügiger Unterstützung aller National Institutes of Health (NIH) in den USA. Ihr Vortrag bietet einen Überblick über die Item Response Theory (IRT) und Computer-adaptives Testen (CAT). Prof. Dr. Gibbons befasst sich im Anschluss mit dem Potential von „Smart Devices“ zur Erfassung psychischer Symptome. Er wird einen Ausblick auf die Möglichkeiten dieses spannenden und zukunftsweisenden Forschungsgebietes geben.

Dr. Chris Gibbons is Co-Director of the Brigham Health Patient Reported Outcomes, Value, and Experiences (PROVE) Center (Boston) and Faculty Member of Harvard Medical School. His work focuses both on assessing the impact of interventions which seek to improve processes and outcomes of care using patient-reported assessment measures.

Psychobiologie von Stress: Gesundheitserhaltung trotz Belastung

Traditionell wird Stress im Kontext von Fehlanpassung und Krankheit untersucht. Neuere Konzepte der Stressforschung verweisen jedoch auf die Anpassungsfähigkeit psychophysiologischer Systeme an belastende Lebensumstände. Das Wissen über Charakteristika von Resilienz können das Verständnis für und die Prävention von Fehlanpassungen wie vitaler Erschöpfung oder stressabhängiger Erkrankungen vergrößern. Studien zum prädiktiven Wert endokriner Stressmarker und psychologischer Stressmerkmale wie Alexithymie, Feinseligkeit, hedonistische Emotionsregulation oder Optimismus werden in Bezug auf Resilienz und Fehlanpassung diskutiert.

Prof. Dr. Ulrike Ehlert ist Ordinaria für Klinische Psychologie und Psychotherapie an der Universität Zürich, Leiterin der Forschergruppe „Verhaltensneurobiologie“ am Zentrum für Neurowissenschaften und Professeur Associé der Université du Luxembourg. Ihre Forschungsschwerpunkte sind die Verhaltensmedizin, Psychobiologie und stressabhängige Erkrankungen.

Prof. Dr. Thomas G. Oertner studierte Biologie in Freiburg und Edinburgh. Für seine Doktorarbeit untersuchte er Kalziumsignale im visuellen System der Fliege am Max-Plack Institut in Tübingen. Nach einem dreijährigen Forschungsaufenthalt in den USA am Cold Spring Harbor Laboratory, wo er die damals neue Zwei-Photonen Mikroskopie erlernte, starte Prof. Oertner 2003 eine unabhängige Arbeitsgruppe am Friedrich Miescher Institut der Novartis Forschungsstiftung in Basel.

Opto- und Chemogenetik: Bahnbrechende Einblicke in die Neurobiologie des Verhaltens

Neue genetische Methoden haben in den letzten Jahren die Neurowissenschaften revolutioniert. Die Steuerung von genetisch manipulierten Neuronen mit Licht oder spezifischen Stoffen erlaubt die Untersuchung von Neuronenverbänden und deren Funktion mit ungeahnter Präzision. Gezielte Aktivierung oder Hemmung durch nicht-invasive opto- und chemogenetische Werkzeuge erlaubt es erstmalig, kausale Zusammenhänge zwischen der Aktivität ganz bestimmter Neurone und dem Ablauf geistiger Prozesse, wie z.B. dem Abruf von Gedächtnisinhalten, aufzudecken. Mit der Vergabe hochdotierter Forschungspreise erlangt das gesamte Feld auch in der Öffentlichkeit wachsende Aufmerksamkeit. Die beiden Vorträge sollen auch den weniger Erfahrenden einen Einblick in eines der Gebiete geben, von dem in den Neurowissenschaften aktuell die höchste Innovationskraft ausgeht.

Prof. Dr. Inga D. Neumann
ist Dekanin der Fakultät für Biologie und Vorklinische Medizin und

Ordinaria für Neurobiologie und Tierphysiologie der

Universität Regensburg.

Inga Neumann beschäftigt sich mit den emotionalen und sozialen Verhalten unterliegenden cerebralen Mechanismen und ihren Anpassungsleistungen an Stress.